Als Bergfan in verschiedenen Disziplinen steht seit einigen Jahren dieser Triathlon bereits auf meiner persönlichen Wunschliste, zum Start in die neue Alterklasse sollte es 2025 so weit sein.
Der Allgäu Triathlon wurde 1983 inspiriert von der Gründung des IM auf Hawaii ins Leben gerufen und ist damit der älteste Triathlon Deutschlands. Von Anfang an war die Organisation in Hand von Triathleten, seit 1987 übernommen von Hannes Hawaii Tours, mit dem Resultat, dass eine mit Liebe zum Detail organisierte mehrtägige Triathlonparty gelebt wird, Bergpanorama, Seeblick und Urlaubsstimmung inklusive.
Die erste Disziplin ist definitiv die Anmeldung, Geduld und Ausdauer war im November am PC gefragt, um dem überforderten Server einen Startplatz abzuringen. Nach 1,5h ist aber klar, ich starte beim Allgäu Classic, Juhu!
Mein Training fokussiert sich im Winter aufs Laufen gekoppelt mit möglichst vielen Radeinheiten draussen. Ein wichtiges Element ist auch das Trainingscamp in Immenstadt, bei dem ich die Wettkampfstrecken, den See und die Umgebung kennenlerne. Das gibt mir noch eine Extramotivation für das Training zuhause, es folgen Ausfahrten mit Allgäu-Kaliber im Taunus und Spessart und diverse Freiwassereinheiten in Langen und im Main. Dicker Dank geht an Maria und meine Radgruppe für die Streckeninspirationen und Begleitung auf vielen gemeinsamen Kilometern!
Den letzten Kick gibt mir unser Vereinsausflug nach Kitzungen 2 Wochen vor der Halbdistanz, der gemeinsame Wettkampf und die Geselligkeit stärken mich mental und körperlich.
Dann geht es Donnerstag vor dem Wettkampf mit dem gepackten Auto endlich los. Genug Zeit um noch einmal Immenstadt zu erkunden und unter den wachsamen Augen meiner Ma am Freitag im See eine Runde zu drehen. Sie hat sich an diesem Wochenende begeistert und neugierig dem Triathlongeschehen hingegeben und als Support ihren eigenen Mehrkampf gemeistert.
Am Samstag ist der Tag dann auch gut gefüllt. Mittlerweile ist die Crew komplett, mein Cousin mit Familie und meine langjährige Freundin aus rheinhessischen Handballzeiten haben sich auf die Reise gemacht, um mit mir zusammen den Allgäu zu erleben und mich zu unterstützen. Gemeinsam erkunden wir die Abläufe am See und entwickeln die beste Anfeuerungsstrategie.
Dann geht es für mich zur Wettkampfbesprechung & Kässpatzenparty. Auch hier die Variante Allgäu Kult: Graf von Rothenfels thront auf Allgäukuh Resi und seine Ritter Faris Al-Sultan und Frederic Funk marschieren mit Moderator Daniel Unger und Hannes Blaschke ein. Klingt skurril, ist aber genau die richtige Mischung, um bei den Athleten die Vorfreude zu schüren und gleichzeitig ein wenig Spannung abzubauen. Die Stimmung ist ausgelassen, auch weil die Orga richtig überlegt ist, die Classic Distanz ist vor OD und Sprint bereits mittags dran, so hatten wir Halbdistanzler mit dem früheren Start am Sonntag den Nachmittag und Abend „frei“ für den individuellen Flow.
Der Wettkampftag startet mit bedecktem Himmel bei 12 °C und Prognose Regen, meine größte Befürchtung. Trotzdem genieße ich das rege Treiben beim Einrichten der Wechselzone und freue mich sehr auf den Tag. Schnell noch den Trockenbeutel abgeben und perfektes Timing, meine Familie steht am Start und ich hole mir noch eine Energieumarmung ab.
Die Frauen dürfen den Tag eröffnen, wir stehen auf dem Steg zusammen mit der Allgäukuh, klatschen Hannes und die Moderatoren ab und lauschen dem Orchester mit Alphorntönen beim Einstieg zum Wasserstart. Im Wasser bin ich von meiner Ruhe überrascht, ich genieße den See, den Landgang mit Jubel der Zuschauer und ignoriere den einsetzenden Regen.
Auf dem Weg zur WZ warten gleich die ersten Höhenmeter über die nasse Wiese. Ich rutsche weg und lande auf dem linken Knie, schnell aufrappeln und ab zum Rad. Die Regenjacke spare ich mir, die Haut klebt zu sehr und nach 2 km wartet der Kalvarienberg, da wird es ohnehin direkt warm. Beine, Zuschauer und Stimmung sind hier noch verhalten, aber die anderen Hotspots auf den weiteren Steigungen sind schon gut und lautstark besetzt (die Fusion von Rock-Musik und Kuhglocken kickt einfach anders im Wettkampf). Ich finde meinen Rhythmus, erfreue mich an der Landschaft und an dem besser werdenden Wetter. Die Versorgung und Ausschilderung inklusive diverser Warnhinweise an den kurvenreichen Abfahrten sind top. Ich bin bereit für die zweite Runde.
Diesmal werde ich den Kalvarienberg hochgejubelt, allen voran meine Familie mit Plakaten und Anfeuerungsrufen. Sie konnten per Shuttle vom See problemlos zu dem Hotspot gelangen und mir damit einen Energieschub geben und Gänsehaut bereiten. Einige Kilometer später stehen Claudi & Jon wie verabredet an der Strecke. Ich freue mich riesig, dass auch dies geklappt hat und steuere motiviert auf die zweite lange Steigung zu. So verläuft die 2. Radrunde kurzweilig und ich biege nach 92 km und 1300 Hm mit den ersten Sonnenstrahlen in die WZ ab.
Schnell rein in die Laufschuhe und auf zur letzten Disziplin und natürlich stehen am Ausgang der WZ meine Lieben und schicken mich jubelnd auf die Laufstrecke, „nur noch 20km!“ höre ich nachhallen. Es geht leicht wellig auf dem Radweg oberhalb des Sees entlang. Durch das Wendepunktformat und die unterschiedlichen Distanzen habe ich so neben Seeblick weitere Abwechslung durch entgegenkommende Athleten; ich treffe einige der Campteilnehmer und wir motivieren uns gegenseitig. Die ersten Kilometer fühlen sich gut an, das Knie meckert kaum und es gibt auch weiterhin gute Versorgung und Motivation mit unermüdlichen Zuschauern inklusive Musik aller Stilrichtungen.
Auf dem Rückweg zum See steigt die Spannung auf das Highlight der Laufstrecke, den Kuhsteig! Der knackige Trail bei Kilometer 15 fordert noch einmal Kraft und Technik auf matschigen Boden, die Zuschauer geben ebenfalls alles und die Allgäu-Kombo mit Akkordeon ist schon von weitem zu hören. Aber noch viel lauter sind meine persönlichen Fans und auf halber Strecke werde ich ein Stück begleitet, Christian und mein Patenkind Cora legen einen kleinen Bergintervall hin, um mich noch einmal für die letzten Kilometer zu motivieren.
Oben angekommen rollt es erstmal nicht wie erhofft gemütlich Richtung Ziel, meine linke Seite fühlt sich eher nach gehen als weiterlaufen an. Aber Strategie Ablenkung, Lauschen der Stimmung Richtung See und immense Vorfreude auf das Ziel funktionieren und ich kann durchlaufen.
Noch einmal vorbei an der Seebühne, eine kleine Parkpassage und ich sehe den Zielbogen. Ich staune über das gespannte Zielbanner, aber da beim Allgäu-Kult-Triathlon jeder Finisher ein Gewinner ist, wird dieses so oft wie möglich neu gespannt. Im Ziel lässt es sich Hannes nicht nehmen mich kultmässig in Hawaiihemd und Lederhose zu umarmen!
Ich lasse mir meine Medaille umhängen und herze stolz und glücklich meine Familie, die direkt neben der Ziellinie steht. Was für ein intensiver und wundervoller Tag zusammen!