Auf meiner persönlichen Tria-Wunschliste steht der Triathlon in Bonn schon seit Jahren ziemlich weit oben. Nachdem ich das Siebengebirge in den vergangenen Jahren bei vielen kleinen, liebevoll organisierten Laufveranstaltungen ausgiebig kennengelernt habe, darf dieser Triathlon mit Radstrecke durch das Naturschutzgebiet Siebengebirge nicht fehlen.
Es ist eine traditionsreiche Sportveranstaltung mit Kultstatus, die nach einer fünfjährigen Pause im Jahr 2025 erfolgreich zurückkehrte. Das Event zeichnet sich durch ein einzigartiges Streckenprofil und den spektakulären Start von einer Rheinfähre aus. Es wird eine feste Distanz angeboten, die entweder als Einzelstarter oder in einer Dreierstaffel absolviert werden kann.
Schon bei der Anmeldung ist Tempo gefragt: Die 1.200 Einzelstartplätze waren im November nach nur zwei Tagen vergeben – einer davon ging glücklicherweise an mich.
Wir reisen am Samstag an. Das Hotel befindet sich auf der Altstadtseite von Bonn direkt an der Kennedybrücke. Das zentrale Lager, sprich die Wechselzone, befindet sich nämlich direkt und zuschauerfreundlich unter der Kennedybrücke auf der Beueler Rheinseite. So können wir entspannt am Samstag alles erkunden, den Schwimmausstieg und die Wege um und in die WZ begutachten und uns bei der Wettkampfbesprechung die letzten Tipps für Logistik & Co. abholen.
Die nötige Stärkung gibt es am Abend in der fußläufig erreichbaren Altstadt bei einem sehr empfehlenswerten Italiener – denn ohne Mampf, bekanntlich, kein Dampf!
Die Nacht auf den Wettkampftag gestaltet sich erwartungsgemäß unruhig, aber die Vorfreude auf das Event und die Erlebnisse des Tages überwiegen und wir machen uns nach einem kleinen Frühstück beschwingt wieder auf den Weg über die Brücke zum Ort des Geschehens.
Angesichts der vielen Einzelstarter und der zusätzlichen 200 Staffeln habe ich zunächst etwas Sorge, ob der Check-in am Sonntagmorgen reibungslos klappt – aber die Organisation ist einfach top: keine Wartezeiten, eine sehr gut beschilderte WZ und viele entspannte und kompetente Helfer.
Nach dem Einrichten der WZ erfolgt der Shuttle zum Schwimmstart per Bus, sodass ich mich recht früh von meinem besten Unterstützer verabschieden muss.
Der Wettkampf startet nämlich südlich der Fähre, auf Höhe des Kameha Grand Hotels. Die Athleten schwimmen dann rheinabwärts, dieses Jahr aufgrund von Niedrigwasser 4,2 km und unter der Kennedybrücke hindurch bis zum Sandstrand am Bahnhöfchen direkt vor der Wechselzone. Rote Bojen trennen die Schwimmer sicher von der Fahrrinne der Berufsschifffahrt.
Der Start ist in Gruppen organisiert; 200 Frauen dürfen als zweite Startgruppe ins Wasser, und wie alle anderen werden wir aufgefordert, mutig so weit wie möglich in die Mitte des Flusses zu schwimmen. Die Atmosphäre vor dem Start und auf der Fähre ist großartig. Viele Zuschauer säumen das Ufer und auch auf der nahegelegenen ersten zu passierenden Brücke jubeln uns Begeisterte zu und sorgen für Gänsehaut unterm Neo.
Nicht einmal ein Tritt ins Gesicht bringt mich im Wasser wirklich aus der Ruhe; ich genieße die flotte Einheit im Rhein; so zügig hat meine Uhr noch nie vibriert. Deshalb gilt es auch, sich nach der Kennedybrücke rechts zu halten, um nicht am Ausstieg vorbeizutreiben. Das gelingt einigen besser, anderen gar nicht. Ich komme mit einem Mini-Schlenker am Ufer an und gut aus dem Wasser; der Weg zum Rad über eine mit Teppich ausgelegte Treppe und durch eine Kurve ist kurz, aber ausreichend, um meinem erleichterten Freund zuzujubeln.
Dann heißt es: raus aus dem Neo, rauf aufs Rad. Das Wetter ist stabil und sonnig, also streife ich nur mein Trikot über, um für den Wind gewappnet zu sein
Die 64 Kilometer lange Radstrecke mit 800 Höhenmeter ist ein echtes Highlight für Bergbegeisterte. Die komplett gesperrte Route bietet einen packenden Mix aus Rheinkulisse und anspruchsvollem Mittelgebirgsprofil. Auf den ersten Kilometern auf dem Rheindamm rollt es sich gut ein, bevor es ins Siebengebirge geht. Knackige Anstiege und welliges Terrain fordern meine Beine, belohnen mich aber auch mit herrlichen Ausblicken. Die Wendepunkt-Dynamik in Brüngsberg und am Segelfluggelände Eudenbach sowie viele Kurven, schlechter Asphalt (alles vorbildlich mit Kreide gekennzeichnet) und Tempoentschleuniger sorgen zusätzlich für Abwechslung, fordern aber auch Technik und Achtsamkeit.
Zurück in der Wechselzone freue ich mich über meine inzwischen gewachsene Fangemeinde, meine Vereinskollegen Maria und Eric haben den Weg nach Bonn auf sich genommen, um mich ebenfalls anzufeuern und über die Laufkilometer zu jubeln.
Die Laufstrecke wird in drei Runden à 5 Kilometer auf den asphaltierten und geschotterten Rad- und Fußgängerwegen der Beueler Rheinaue ausgetragen. Die Zuschauerdichte ist hoch und sogar eine Samba-Truppe steht strategisch passend auf halber Strecke. Trotz aller Stimmung müssen nicht nur die Beine, sondern auch der Kopf ordentlich arbeiten. Die erste Runde läuft noch gut, aber dann wird es mental schon schwieriger. Dank meines motivierenden Trios an der Strecke und der guten Verpflegung kann ich meinen Rhythmus dennoch halten, die Eindrücke genießen und nach der dritten Runde zufrieden ins Ziel laufen.
Fazit: Ein absolut empfehlenswerter, hervorragend organisierter und abwechslungsreicher Triathlon mit hohem Erlebnisfaktor!