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The Championship Challenge Šamorín 2026

Von 27. Mai 2026Triathlon, Wettkämpfe5 Minuten Lesezeit

Wenn man (oder Frau) bei einer Wettkampfveranstaltung wie der Challenge Roth schnell unterwegs ist, erhält man eine Qualifikation für ein besonderes Rennen, bei dem nur AK 1 bis 3 Platzierungen starten können. Bekomme ich diese Chance ein zweites Mal? Obwohl eigentlich für 2026 kein Wettkampf geplant war, habe ich mich entschieden, an den Start zu gehen: Šamorín, Slowakei. Mitteldistanz. Klingt harmlos, ist es aber nicht.

Also auch kein klassischer „Ich-war-da-und-hab-mich-super-gefühlt“-Racebericht. Eher ein „Behind-The-Scenes“. Eher ein Versuch zu beschreiben, warum man freiwillig morgens um fünf aufsteht, in einen Neoprenanzug steigt, um sich zu verausgaben.

THE DAY BEFORE

Natürlich macht man am Vortag das, was TreeTops eben machen: sich „mit der Strecke vertraut“. Bedeutet konkret: herumirren, staunen und permanent überlegen, ob das wirklich alles Teil des Rennens ist.

Die Schwimmstrecke liegt romantisch in einem Nebenkanal der Donau. Romantisch heißt in diesem Fall: schmal, überschaubar, tief und potenziell arktisch. Das Einschwimmen beschränkte sich daher auf vorsichtiges Hineinwaten bis auf Kniehöhe, um zu prüfen, ob einem sofort die Zehen abfrieren. Da das Wasser dort locker unter 15 Grad haben kann, war die Erwartungshaltung eher Richtung „Eisbaden mit Zeitnahme“. War dann aber überraschend angenehm.

Die Radstrecke: schnell, windanfällig und stellenweise so holprig, dass man denken könnte, die Straße stehe unter Denkmalschutz. Die Donau überquert man über eine Wehr, das ungefähr aus derselben Epoche stammt wie manche Altersklassenathleten.

Und dann die Laufstrecke. Ohne Streckenposten oder Karte würde dort vermutlich niemand freiwillig langlaufen. Besonders bemerkenswert: der Großteil der Strecke führt tatsächlich über die Pferderennbahn der riesigen Reitanlage des slowakischen olympischen Trainingscenters.

Höhenmeter werden durch vier verschiedene Untergründe (Sand der Galopprennbahn, Wiese, Tartan rund um die Stallungen und Asphalt) sowie einen kreativen Zickzackkurs ersetzt. Man bekommt also die seltene Gelegenheit, sich einmal wie ein Rennpferd zu fühlen — nur langsamer und mit deutlich schlechterer Zeit.

Spätestens beim Rad-Check-in die entwaffnende Erkenntnis: Ich bin „UNDEREQUIPPED“. Zwischen High-End-Maschinen aus Carbon mit Scheiben im Hinterrad und Adonis-Athleten, deren Aerohelme vermutlich mehr kosten als ein Kleinwagen, wirkte die eigene Ausstattung eher wie „solide Freizeitlösung mit Luft nach oben“.

Danach direkt Schnapp-Atmung, wenn man merkt, dass alle anderen Teilnehmer ja was am Fußgelenk tragen: den Zeitchip! Oh, vergessen abzuholen, weil selbstverständlich der falsche Ausgang aus der Wechselzone genommen wurde. Immerhin ließ sich ein wohlgesonnener Kampfrichter erweichen und gewährte nochmal Zutritt in den Bereich. Der erste kleine Sieg des Wochenendes.

RACEDAY

Eigentlich perfekte Bedingungen. Also genau die Art von Bedingungen, bei denen man keine Ausreden mehr hat.

Zitat Manuel: „Verrückt ist, dass man morgens vor dem Start – wenn man die Atmosphäre spürt, das Kribbeln merkt und der Puls steigt – jede Anmeldung unterschreiben würde, die einem jemand hinlegt. Dieses Feeling ist für mich die Antwort auf das „Warum“.

Das Schwimmen lief überraschend gut bei erträglichen 16 Grad. Sogar besser als einige Trainingseinheiten im Badesee Walldorf — was vermutlich daran lag, dass dort keine 1500 andere Menschen versuchen, einen einzuholen und dann versehentlich zu ertränken. Der Rolling-Start hat das gut entspannt.

Der erste Teil der Radstrecke präsentierte sich angenehm. Da allerdings ein Loop gefahren wird, durfte man auf dem Rückweg feststellen, dass der Wind die ganze Zeit nur geduldig gewartet hatte. Gegenwind in der Ebene entwickelt dabei eine ganz besondere Fähigkeit: Er macht 34 km/h Pace gefühlt zu einer Alpenetappe. Dazu endlose Geraden. Man sieht in Šamorín Athleten kilometerweit vor sich, bewegt sich aber gefühlt keinen Meter näher. Mental irgendwo zwischen Zeitfahren und Existenzkrise.

Die Laufstrecke hielt dann exakt das bereit, was sie am Vortag angekündigt hatte: viel Pferderennbahn, wenig Lieblingsuntergrund und jede Menge Gelegenheit, mit sich selbst zu diskutieren. 21 Kilometer ziehen sich erstaunlich lange, wenn man permanent denkt: „Jetzt müsste doch langsam mal der Moment kommen, in dem man nicht auf den nächsten Loop muss, sondern Richtung Finish abbiegen darf.“

Der Moment kam dann endlich auch.

KURZ GESAGT

Šamorín ist ein Rennen der besonderen Sorte. Schnell, speziell und definitiv anders als andere Triathlon-Veranstaltungen. Eine Mischung aus Anspruch und unerwarteten Begebenheiten mit leichtem Survival-Charakter.

Organisation top, Stimmung international, Strecke abwechslungsreich — und manchmal auch ein bisschen absurd. Genau deshalb bleibt das Rennen aber im Kopf.

Und am Ende zeigt sich mal wieder: Man kann perfekt vorbereitet sein, hat aber keine Trailschuhe dabei, vergisst fast den Zeitchipchip. Hauptsache, man findet irgendwann ins Ziel.